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Wie funktioniert eine Adoption?

Adoptionen sind bedeutende Lebensereignisse, voller Emotionen und rechtlicher Verfahren. Im Zentrum jeder Adoption steht das Wohl des Kindes, das in Folge verschiedenster Gründe nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann. Doch auch viele Adoptiveltern haben einen kräftezehrenden Weg hinter sich. Für beide Seiten ist eine Adoption oft die letzte Chance auf Familienglück. 

Alle können sich unter dem Begriff Adoption etwas vorstellen, aber wie funktioniert eine Adoption genau? In diesem Beitrag haben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Das Wichtigste in Kürze

✅ Ziel einer Adoption ist es, die am besten geeigneten Eltern für ein Kind zu finden, das aus unterschiedlichen Gründen nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen kann.
✅ Um ein Kind zu adoptieren, muss man nach deutschem Recht unbeschränkt geschäftsfähig und grundsätzlich mindestens 25 Jahre alt sein.
✅ In der Regel müssen die leiblichen Eltern beide in die Adoption ihres Kindes einwilligen, was frühestens möglich ist, wenn das Kind 8 Wochen alt ist. 
✅ Es gibt viele unterschiedliche Arten der Adoption. Mit dem Adoptionshilfe-Gesetz (am 1. April 2021 in Kraft getreten) wurden viele Aspekte bezüglich der Beratung, Aufklärung, Vermittlung von Inlands- und Auslandsadoptionen neu gestaltet. 

Was ist eine Adoption?

Eine Adoption ist die rechtliche Begründung eines Eltern-Kind-Verhältnisses zwischen den Annehmenden und dem Kind ohne Rücksicht auf die biologische Abstammung. 

Die endgültige Freigabe des Kindes zur Adoption ist erst 8 Wochen nach der Geburt möglich. Erforderlich hierfür ist grundsätzlich die Einwilligung beider Elternteile. Ausnahmen gelten, wenn die Identität des Vaters nicht festgestellt werden kann. Wenn die Eltern ihre elterlichen Pflichten grob verletzen, kann auch das Familiengericht eine fehlende Einwilligung durch Beschluss ersetzen. 

Falls die leibliche Mutter während der Schwangerschaft bereits eine Freigabe zur Adoption erwogen hat, so kann sie sich an eine Adoptionsvermittlungsstelle richten und es kann auf Wunsch der Mutter dafür gesorgt werden, dass das Kind direkt nach der Entbindung in die Familie der Adoptiveltern kommt. 

Welche Formen der Adoption gibt es?

1️⃣ Inlands- und Auslandsadoption 

Bei einer Inlandsadoption wird ein Kind in Deutschland adoptiert. Die rechtlichen Grundlagen sind oft streng und schwierig für Paare zu erfüllen (dazu mehr unten im Beitrag).

Oft führt dies dazu, dass Paare eine Adoption im Ausland in Betracht ziehen. Die rechtlichen Bestimmungen sind hier etwas lockerer, dafür ist diese Art der Adoption mit höheren Kosten verbunden. Die Adoption findet dann meist über ausländische Organisationen, Vereine oder anerkannte private Vermittlungsstellen statt. 

2️⃣ Inkognito-Adoption 

Eine Inkognito-Adoption ist die rechtlich einzige Form der Adoption bei Minderjährigen. Sie dient dem Schutz der Daten der Adoptivfamilie. Die Vermittlungsakte mit Daten über die Adoptiv- und die Herkunftsfamilie wird bei der vermittelnden Stelle aufbewahrt. Die Adoptivkinder haben ab dem 16. Lebensjahr ein Recht auf Einsicht in den Geburtseintrag beim Standesamt, der Informationen zur leiblichen Mutter und teilweise auch zum leiblichen Vater enthält. 

3️⃣ Halboffene und offene Adoption 

Bei der sog. halboffenen Adoption kann der Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Kind mittels Briefen und Fotos über das Jugendamt oder die vermittelnde Agentur aufrechterhalten werden und die leiblichen Eltern können die Adoptiveltern kennenlernen.

Bei sog. offenen Adoptionen kommt es manchmal bereits vor der Geburt des Kindes zu einem Gesprächskontakt zwischen den abgebenden und den aufnehmenden Eltern.

4️⃣ Stiefkindadoption 

Die Stiefkindadoption macht den Großteil der Adoptionen in Deutschland aus. Hier kann das Kind der Partnerin oder des Partners adoptiert werden, wenn der Stiefelternteil und der leibliche Elternteil des Kindes miteinander verheiratet sind, in eingetragener Lebenspartnerschaft oder in einer anderen festen Lebensgemeinschaft leben. 

5️⃣ Verwandtenadoption 

Verwandtenadoptionen sind solche durch Verwandte zweiten (Großeltern, Geschwister) oder dritten Grades (Tante, Onkel) und kommen in Betracht, wenn die leiblichen Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Elternverantwortung wahrzunehmen oder verstorben sind. 

6️⃣ Anonyme Adoption 

Eine anonyme Adoption ist eine Variation der Inkognito-Adoption und findet meist nach einer “vertraulichen Geburt” statt. Das Kind wird unter einem Pseudonym in einer Klinik oder bei einer Hebamme zur Welt gebracht und hat danach keinerlei Kontakt zu den leiblichen Eltern. 

7️⃣ Pflegekind-Adoption 

Eine Pflegekind-Adoption ist keine Adoption per se, denn zwischen Adoptivkindern und Pflegekindern besteht ein rechtlicher Unterschied. Das Sorgerecht kann entweder ganz bei den Pflegeeltern oder noch zu Teilen bei den leiblichen Eltern liegen. Pflegekinder bleiben aber rechtlich immer Kinder ihrer leiblichen Eltern und der Staat kommt für die Unterbringung auf.

Patenschaft statt Adoption?

Wenn man nicht in der Lage ist zu adoptieren oder eine Vormundschaft zu übernehmen, aber dennoch einem Kind helfen möchten, könnte eine Patenschaft eine überlegenswerte Option sein.

Es gibt viele Organisationen, die Patenschaften für Kinder in anderen Ländern anbieten. Dabei werden wichtige Bedürfnisse des Patenkindes wie Schulbildung, Kleidung und tägliche Notwendigkeiten, die sich die biologischen Eltern möglicherweise nicht leisten können, finanziert.

Voraussetzungen für eine Adoption

Im Folgenden gehen wir kurz auf die Voraussetzungen für eine Adoption am Beispiel der Inlandsadoption ein. Wer in Deutschland ein Kind adoptieren möchte, muss viele rechtliche Grundlagen erfüllen: 

  • Familienstand: Adoptieren dürfen Ehepaare oder Einzelpersonen. Ehepaare können ein Kind aber grundsätzlich nur gemeinsam adoptieren. Das gilt auch für gleichgeschlechtliche verheiratete Paare, die ebenfalls seit dem 1.10.2017 adoptieren können.
  • Alter: Um in Deutschland adoptieren zu dürfen, muss man mindestens 25 Jahre alt und geschäftsfähig sein. Adoptiert man als Ehepaar ein Kind, kann ein Ehepartner auch unter 25, muss aber mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Höchstalter zur Adoption gibt es nicht. Allerdings sollte das Altersverhältnis zum Kind stimmen (meist zwischen 35 und 40 Jahren). 

Neben rechtlichen Bestimmungen wird außerdem die generelle Eignung für eine Adoption geprüft. Wichtige Aspekte sind:

  • die Berufstätigkeit,
  • das Führungszeugnis,
  • die Gesundheit,
  • die Fähigkeit, sich auf ein adoptiertes Kind einzulassen,
  • die Motivation und partnerschaftliche Stabilität,
  • die Wohnverhältnisse und
  • die finanzielle Situation.

Diese Liste ist nicht abschließend. Wende dich für verbindliche Auskunft direkt an die zuständigen Stellen oder Anwält:innen für Familienrecht. Diese findest du auch in unserer Kanzleisuche.

Adoptionsprozess: Der Ablauf einer Adoption

Der Adoptionsprozess ist meist sehr langwierig und durchläuft viele Stationen. Wer ein Kind adoptieren möchte, muss Zeit und Geduld mitbringen. 

Zur ersten Orientierung haben wir dir den Ablauf kurz zusammengefasst. Bitte denke, dass dieser sich je nach Bundesland, zuständiger Stelle und den persönlichen Umständen unterscheiden kann.

Checkliste: Wie funktioniert eine Adoption?

  1. Zunächst wendet man sich an eine Adoptionsstelle, die einen während der gesamten Zeit begleitet, und bewirbt sich um eine Adoption. Auch nach Abschluss des Adoptionsverfahrens hat man einen Rechtsanspruch auf Beratung und Unterstützung durch die Adoptionsvermittlungsstelle.
  2. Nach der Bewerbung folgt eine Vorstellung und Eignungsprüfung, durch ein Erstgespräch mit Fachkräften der Vermittlungsstelle. 
  3. Wenn ein positives Ergebnis vorliegt, folgt dann die Vorbereitung auf die Adoption und die Wartezeit bis zum Kindervorschlag. 
  4. Wird ein Kind zur Adoption freigegeben, wählt die Vermittlungsstelle dann aus der Warteliste die passenden Eltern für das Kind aus. 
  5. Das Kind wird dann an die Adoptiveltern übergeben und es beginnt die Adoptionspflegezeit. Hier soll das Eltern-Kind-Verhältnis wachsen. Das Jugendamt bleibt Vormund des Kindes. 
  6. Nach erfolgreicher Adoptionspflege wird die Adoption beim Familiengericht beantragt, welches darüber mit einem Adoptionsbeschluss entscheidet. 

Adoption: Welche Rechte und Pflichten habe ich?

Eine Adoption ist nicht nur eine emotionale, sondern auch eine rechtliche Angelegenheit. Deshalb gibt es viele rechtliche Voraussetzungen, die eingehalten und bedacht werden müssen. Einige führen wir im Folgenden auf. 

Für eine rechtssichere Adoption und eine optimale Vorbereitung wende dich bitte direkt an einen Anwältin oder einen Anwalt für Familienrecht. Wichtige Anlaufstellen findest du ganz unten im Artikel.

Zustimmung zu einer Adoption

Für eine Adoption ist normalerweise die Zustimmung beider biologischer Eltern nötig. Ist ein Elternteil unauffindbar, kann unter Umständen auf dessen Einwilligung verzichtet werden. Kinder ab 14 Jahren müssen ebenfalls zustimmen. Bei jüngeren Kindern reicht die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters, wobei der Kinderwunsch berücksichtigt werden sollte.

Wie wirkt sich eine Adoption rechtlich aus?

Nach dem Ausspruch der Adoption durch das Familiengericht erhält das Kind die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes der Adoptiveltern. Dadurch enden die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Herkunftsfamilie, einschließlich Sorgerecht, Erbrecht sowie Unterhaltsrechte und -pflichten, die nun gegenüber der Adoptivfamilie bestehen.

Eine neue Geburtsurkunde wird auf den Adoptivnamen des Kindes ausgestellt, ohne Hinweis auf die Adoption. Die ursprüngliche familiäre Herkunft bleibt in einem separaten Geburtenregister vermerkt.

Das Kind erhält den Nachnamen der Adoptiveltern. Wenn das adoptierende Ehepaar unterschiedliche Nachnamen hat und das Kind mindestens 5 Jahre alt ist, wird die Namenswahl gemeinsam mit dem Kind getroffen. Haben die Adoptiveltern bereits gemeinsame Kinder, erhält das adoptierte Kind denselben Nachnamen wie seine Geschwister.

Fazit

Eine Adoption ist ein sorgfältig regulierter Prozess, erfordert viel Geduld und stellt hohe Anforderungen an die potenziellen Adoptiveltern. Diese gründliche Prüfung zielt darauf ab, das Wohl des Kindes zu gewährleisten und ihm in seiner neuen Familie eine sichere und liebevolle Umgebung zu bieten. 

Wer nach Informationen, Auskünften und Beratung über die Möglichkeiten, Aussichten und Voraussetzungen einer Adoption sucht, kann sich an eine der Adoptionsvermittlungsstellen in Deutschland wenden. 

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