Mietvertrag prüfen lassen: Kosten, Ablauf und Vorteile

In vielen Städten sind Wohnungen knapp. Wer eine Zusage erhält, unterschreibt den Vertrag oft sofort. Doch genau hier lauern Probleme: versteckte Nebenkosten, strenge Renovierungspflichten oder eine lange Kündigungsfrist. Wer seinen Mietvertrag prüfen lassen will, schützt sich vor teuren Fehlern und unnötigem Ärger mit Vermieter oder Vermieterin. Erfahre mehr in diesem Artikel.

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Das Wichtigste in Kürze

Mietvertrag prüfen lassen schützt dich vor hohen Nebenkosten, langen Kündigungsfristen und unzulässigen Renovierungspflichten.
✅ Die anwaltliche Prüfung umfasst alle wichtigen Punkte wie Miete, Nebenkosten, Kündigungsfristen, Renovierungsklauseln und Sonderregelungen.
✅ Am sinnvollsten ist die Prüfung vor der Unterschrift, doch auch nachträglich lassen sich unwirksame Klauseln abwehren.
✅ Die Kosten für eine Prüfung liegen meist zwischen 100 und 250 Euro, je nach Umfang und Aufwand. Mit einer Rechtsschutzversicherung werden sie häufig übernommen.
✅ Selbst wenn du schon unterschrieben hast, kannst du deine Rechte durchsetzen und dich gegen unfaire oder unwirksame Vertragsklauseln wehren.

Mietvertrag prüfen lassen: Deshalb ist es wichtig

Ein Mietvertrag regelt die Grundlage deines Wohnens und oft steckt der Teufel im Detail. Viele Klauseln klingen harmlos, haben aber große Auswirkungen auf deine Rechte und Pflichten. Einmal unterschrieben, bindest du dich langfristig. Deshalb ist es wichtig, den Mietvertrag prüfen zu lassen.

Ein typisches Risiko sind Nebenkostenregelungen. Manche Verträge enthalten unklare Pauschalen oder unzulässige Umlagen, die dich teuer zu stehen kommen. Auch die Frage, wer für Reparaturen oder Modernisierungen aufkommt, führt immer wieder zu Streit. Nach dem Gesetz (§ 535 BGB) ist der Vermieter oder die Vermieterin verpflichtet, die Mietsache in einem zum Wohnen geeigneten Zustand zu erhalten. Trotzdem versuchen viele, diese Pflicht über Klauseln auf die Mieter abzuwälzen.

Ein weiterer kritischer Punkt sind Schönheitsreparaturen. Viele Klauseln zu Renovierungspflichten sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unwirksam. Wer aber unterschreibt, ohne das zu wissen, fühlt sich oft verpflichtet, beim Auszug auf eigene Kosten zu renovieren, obwohl das gar nicht nötig wäre.

Auch die Kündigungsfristen solltest du dir genau ansehen. Während das Gesetz (§ 573c BGB) eine Frist von 3 Monaten vorsieht, verlängern manche Verträge die Kündigungszeit erheblich. Damit verlierst du Flexibilität, wenn du umziehen möchtest.

Nicht zu unterschätzen sind zudem Klauseln zu Tierhaltung oder Untervermietung. Sie entscheiden darüber, ob du beispielsweise einen Hund halten oder ein Zimmer an Dritte weitergeben darfst. Oft sind pauschale Verbote unwirksam, was dir aber nur etwas nützt, wenn du deine Rechte kennst.

Darauf achtet ein Anwalt im Mietvertrag 

Wenn du deinen Mietvertrag prüfen lassen willst, geht es nicht nur darum, einzelne Sätze zu lesen. Eine Anwältin oder ein Anwalt für Mietrecht schaut sich den gesamten Vertrag an und prüft, ob er mit den gesetzlichen Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (§§ 535 ff. BGB) übereinstimmt. Dabei spielen viele Punkte eine Rolle.

Ein zentraler Punkt ist die Miete selbst. Enthält der Vertrag eine Staffelmiete oder eine Indexmiete, prüft die Anwältin oder der Anwalt, ob die Regelung zulässig ist und welche Folgen sie für dich hat. Gerade Indexmieten können bei steigender Inflation sehr teuer werden.

Auch die Nebenkosten werden genau kontrolliert. Der Vertrag muss klar regeln, welche Kosten umgelegt werden dürfen. Nicht alles darf über die Betriebskosten auf dich abgewälzt werden. So sind z. B. Verwaltungskosten oder Instandhaltungsrücklagen unzulässig.

Besonders wichtig sind die Schönheitsreparatur- und Renovierungsklauseln. Viele Formulierungen sind unwirksam, etwa wenn sie starre Fristen enthalten oder dich verpflichten, die Wohnung in jedem Fall zu renovieren, selbst wenn sie bei Einzug frisch gestrichen war. Hier sorgt die Rechtsprechung des BGH regelmäßig für klare Grenzen.

Ebenfalls geprüft werden die Kündigungsfristen und die Mietdauer. Manche Verträge enthalten Klauseln, die dich übermäßig lange binden oder eine ordentliche Kündigung ausschließen. Das ist nur unter engen Voraussetzungen zulässig.

Darüber hinaus wirft die Anwältin oder der Anwalt einen Blick auf Regelungen zur Tierhaltung, Untervermietung und Nutzung der Wohnung. Ein vollständiges Verbot von Haustieren ist meist unwirksam, und auch die Untervermietung darf nicht ohne Grund verweigert werden (§ 553 BGB).

Am Ende erhältst du eine Einschätzung, welche Klauseln rechtlich problematisch sind und welche Anpassungen du verlangen solltest. Erfahre mehr über anwaltliche Leistungen und ihre Kostenstruktur: Was kostet ein Beratungsgespräch beim Anwalt?

Wann du den Mietvertrag prüfen lassen solltest

Viele unterschreiben schnell, weil sie Angst haben, die Wohnung zu verlieren. Doch gerade hier ist es wichtig, den Mietvertrag prüfen zu lassen, am besten noch bevor du deine Unterschrift setzt.

Ein guter Zeitpunkt ist vor Abschluss des Vertrags. So erkennst du rechtzeitig, ob problematische Klauseln enthalten sind. Wenn dir etwa eine sehr hohe Staffelmiete oder eine unklare Nebenkostenpauschale auffällt, kannst du vor der Unterschrift mit dem Vermieter oder der Vermieterin verhandeln.

Auch bei Unklarheiten im laufenden Mietverhältnis lohnt sich eine Prüfung. Vielleicht bist du dir unsicher, ob du wirklich für Schönheitsreparaturen aufkommen musst oder ob eine Mieterhöhung gerechtfertigt ist. Gerade in solchen Fällen bringt die rechtliche Einordnung Sicherheit.

Ein weiterer Anlass ist die Verlängerung oder Änderung eines Mietvertrags. Oft werden dabei neue Bedingungen aufgenommen, die deine Rechte einschränken. Mit einer Prüfung stellst du sicher, dass du keine Nachteile akzeptierst.

Wichtig ist die Prüfung auch, wenn es bereits Streit mit Vermieter oder Vermieterin gibt – etwa wegen Nebenkostenabrechnungen oder wegen der Kaution. Hier hilft dir eine Anwältin oder ein Anwalt, den Vertrag zu bewerten und zu klären, welche Forderungen rechtlich zulässig sind.

Selbst wenn du schon lange in der Wohnung lebst, kann eine nachträgliche Prüfung sinnvoll sein. So erfährst du, welche Klauseln im Vertrag vielleicht unwirksam sind und auf welche Rechte du dich jederzeit berufen darfst.

Mietvertrag prüfen lassen: Ablauf und Kosten 

Wenn du deinen Mietvertrag prüfen lassen willst, läuft das meist unkompliziert ab. Zuerst reichst du den Vertrag bei einer Anwältin oder einem Anwalt für Mietrecht ein. Viele Kanzleien bieten dafür feste Ansprechpartner:innen und sogar digitale Einreichungsmöglichkeiten an. Danach folgt eine rechtliche Bewertung: Welche Klauseln sind wirksam, welche nicht, und wo drohen finanzielle Nachteile?

In der Regel beginnt die Prüfung mit einer Ersteinschätzung. Dabei geht die Anwältin oder der Anwalt die wichtigsten Klauseln durch und erklärt dir verständlich, welche Rechte und Pflichten daraus entstehen. Manche Kanzleien bieten dafür Pauschalpreise an, die sich nach Umfang des Vertrags richten.

Die Kosten hängen vom Aufwand ab. Eine pauschale Prüfung liegt oft zwischen 100 und 250 Euro. Wenn es um eine ausführlichere Beratung geht, etwa bei komplizierten Staffelmiet- oder Indexmietverträgen, wird meist nach Stundenhonorar abgerechnet. Dieses liegt häufig zwischen 150 und 250 Euro pro Stunde. In vielen Fällen gibt es auch Individualvereinbarungen. Erfahre mehr zum Thema: Was kostet ein Beratungsgespräch beim Anwalt?

Besitzt du eine Rechtsschutzversicherung, solltest du prüfen, ob Mietrecht abgedeckt ist. Viele Versicherungen übernehmen in solchen Fällen die Kosten, sodass du die Prüfung ohne eigenes Risiko durchführen lassen kannst.

Der Vorteil einer anwaltlichen Prüfung liegt auf der Hand: Du bekommst eine klare Einschätzung zu deinen Rechten und vermeidest teure Fehler. Außerdem hilft dir die Anwältin oder der Anwalt dabei, unfaire Klauseln abzuwehren oder über Änderungen zu verhandeln, bevor du den Vertrag unterschreibst.

Was tun, wenn du den Mietvertrag schon unterschrieben hast?

Die folgenden Ausführungen dienen nur als erste Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle Rechtsberatung durch eine spezialisierte Anwältin oder einen spezialisierten Anwalt für Mietrecht. Für eine verbindliche Einschätzung solltest du dich immer direkt an eine Kanzlei wenden, da unsere Informationen veraltet oder unvollständig sein können.

Auch wenn du den Vertrag bereits unterschrieben hast, kannst du den Mietvertrag prüfen lassen. Viele Klauseln sind selbst mit deiner Unterschrift unwirksam. Ein Beispiel sind starre Renovierungspflichten, die dich verpflichten, nach festen Fristen zu streichen oder zu renovieren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat solche Regelungen mehrfach gekippt.

Wenn du mit einer Mieterhöhung konfrontiert wirst, prüft eine Anwältin oder ein Anwalt, ob diese rechtlich zulässig ist. Oft fehlen die formalen Voraussetzungen oder der Mietspiegel gibt die geforderte Erhöhung gar nicht her.

Auch bei Nebenkostenabrechnungen lohnt sich ein genauer Blick. Unklare oder unzulässige Posten können gestrichen werden, sodass du weniger zahlen musst. Hier gilt: selbst wenn du schon gezahlt hast, hast du in manchen Fällen Anspruch auf Rückerstattung.

Falls du feststellst, dass der Vertrag besonders nachteilig ist, gibt es manchmal die Möglichkeit einer Anfechtung oder außerordentlichen Kündigung. Das ist allerdings rechtlich komplex und sollte immer von einer Anwältin oder einem Anwalt geprüft werden.

Kurz gesagt: Selbst unterschriebene Verträge sind nicht in Stein gemeißelt. Mit fachlicher Unterstützung kannst du unfaire Regelungen abwehren und deine Rechte durchsetzen.

Fazit

Einen Mietvertrag prüfen lassen bedeutet Sicherheit und Klarheit. Wer vor der Unterschrift eine Prüfung in Anspruch nimmt, vermeidet hohe Nebenkosten, unfaire Renovierungspflichten und lange Kündigungsfristen. Aber auch nach der Unterschrift ist nicht alles verloren: Viele Klauseln sind unwirksam, selbst wenn sie im Vertrag stehen.

Die Prüfung durch eine Anwältin oder einen Anwalt für Mietrecht kostet zwar Geld, spart dir aber im Zweifel deutlich höhere Ausgaben und Ärger. Gerade in einem angespannten Wohnungsmarkt ist es wichtig, die eigenen Rechte zu kennen und keine Verpflichtungen einzugehen, die dich langfristig belasten.

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